Sheenas Schreibtagebuch

 

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Warum Gott den Menschen geschaffen hat

Gott ist allwissend, soweit es ein Wesen für sich allein sein kann. Es gibt aber Dinge, die man nur erfahren und lernen kann, wenn man ein annähernd ähnliches Gegenüber hat. Unter anderem kann man nur durch soziale Bezüge eine Identität ausbilden. Gott brauchte daher den nach seinem Bilde geschaffenen Menschen, um eine Identität, um ein Verständnis von sich selbst zu bekommen. Wir sind für Gott eine Art Spiegel. Das ist ein verwirrender performativer Akt: Indem er den Menschen nach seinem Bilde schafft, erst innerhalb dieses Prozesses, kann er sich selbst erkennen. Wir müssen uns ihn jedoch allmächtig vorstellen, da er sonst nicht die Möglichkeit hätte, etwas zu schaffen, das ihm ähnlich ist.

Mit Mead gesprochen, war Gott, bevor er den Menschen geschaffen hat, nur „I“: eine mit einem „konstitutionellen Antriebsüberschuss“ (Gehlen) ausgestattete Wesenheit. Durch die Präsenz des Menschen gesellt sich dem göttlichen „I“ ein „Me“ hinzu. Gott erhält durch die Existenz des Menschen die Möglichkeit zur Perspektivübernahme, zum „taking the role of the other“ (Mead). Er kann sich nun Gedanken darüber machen, welches Bild der Mensch von ihm hat und welche Erwartungen er an ihn stellt. Das „Me“ ist die Repräsentation der imaginierten Haltung eines konkreten Gegenübers und damit auch die Bewertungsinstanz für das entstehende Selbstbild. Hätte er nur ein einziges Gegenüber geschaffen, so wäre dieser Prozess relativ schnell abgeschlossen gewesen. Interessant wird es erst dadurch, dass Gott zunächst mit zwei unterschiedlichen „Mes“ umgehen muss, einem weiblichen und einem männlichen, die er in Zusammenspiel mit seinem „I“ zu einem „Self“ stabilisieren muss. Dadurch, dass die Menschen unabhängig vom direkten Eingreifen Gottes neues Leben, also neue „alters“ für Gottes „ego“ schaffen können, ist für Gott gesichert, dass sein Selbstfindungsprozess nicht an ein Ende kommt. Dadurch, dass er sich nicht nur in ein Gegenüber hineinversetzen muss, sondern in alle Mitspieler, geht Gott vom „play“ zum „game“ (im Meadschen Sinne) über.
27.3.08 17:21
 


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