Sheenas Schreibtagebuch

 

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Das kommt davon

In der Jugend habe ich im Grunde nichts anderes getan als Romane zu lesen. Ich glaube, das ist der Grund dafür, dass ich mir bei allem denke: Wie das wohl ausgehen wird? Aus diesem Grunde war es für mich immer schon etwas seltsam, Biographien zu lesen, denn die enden fast grundsätzlich mit dem Tod des Helden. Die allgemeingültigste Antwort ist deshalb: Am Ende stirbt man. Viele Geschichten hören aber nicht mit dem Tod des Helden auf, sondern an einer anderen Stelle. Grundsätzlich könnte man immer bis zum Tod des Helden erzählen, worauf man konsequenterweise beim Erzählen von Märchen hinweist: Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.
Viele Romane enden an einem Punkt, an dem eine Geschichte, eine Episode im Leben eines Menschen oder zwischen mehreren Personen abgeschlossen ist. Diese eine Geschichte sollte erzählt werden, irgendwann ist alles gesagt, was für diese Geschichte wichtig ist, dann ist Schluss. Von diesem Ende aus kann man als Leser zurückblicken, rekonstruieren, wie es dazu gekommen ist, die Handlung kritisieren, Alternativen formulieren, die Zusammenhänge und Wendungen versuchen zu verstehen und das Buch zuschlagen, um ein anderes zur Hand zu nehmen. Wenn man sich als Leser des eigenen Lebens versteht, weil man nur durch Romane das Leben kennengelernt hat, versucht man immer wieder, derartige Schlusspunkte zu finden und noch schlimmer: man lässt sich vielleicht dazu verleiten, auf diesen Schluss hinzuleben und manchmal versucht man auch, etwas zu überblättern, das auf den ersten Blick langatmig erscheint, wie eine Landschaftsbeschreibung.
Es ist durchaus möglich, eine Zeitspanne zu überblättern. Die Versuche, den Schluss vorweg zu lesen, sind jedoch fast immer peinlich. Aber manchmal ist man ja albern genug.
Ich hätte nie Literaturwissenschaft studieren dürfen, denn ich habe immer viel zu sehr auf den Ausgang der Geschichte gedrängt, so dass ich die Struktur der Erzählung nur mit Mühe rekonstruieren konnte. Wenn eine Geschichte zu Ende ist, bleibt der zuletzt beschriebene Zustand für immer: 'Und sie lebten glücklich bis an ihr Ende' betont das, es ist jedoch bei jeder Geschichte so. Genauso hoffe ich bei Zuständen, die ich erreicht, erkämpft, oder auch nur durch abwarten erhalten habe, dass es nun für immer so bleiben wird. Natürlich weiß jeder, dass nichts so bleibt. Wenn endlich Sommer ist, hoffe ich trotzdem insgeheim, dass es nun nie wieder Winter wird.
18.12.07 11:04
 


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