Sheenas Schreibtagebuch

 

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Schreiben und der Rest des Lebens

Eigentlich schwebte mir ein blog vor, der eben grade keinen seelischen Exhibitionismus vorführt, sondern sich auf ein Thema konzentriert, das man halbwegs emotionslos abhandeln kann: nämlich Schreiben. So einfach ist das aber nicht. Die Gesamtverfasstheit wirkt sich stärker auf die Schreiblustigkeit aus als gedacht. Deswegen besteht die Gefahr, dass das Schreibtagebuch zu einem Rechtfertigungstagebuch für Nichtschreiben wird.
11.3.07 23:25


Auch das ist Schreiben

Das Präsentieren von Datenmaterial in der Arbeitsgruppe und das gemeinsame Interpretieren von Daten gehört zwar nicht unmittelbar zum Schreibprozess, aber es gehört zu dem großen Bereich von Dingen, die gemacht werden müssen, bevor man etwas hinschreiben kann. Allerdings läuft ein Forschungs- und Schreibprozess nie so ordentlich nacheinander ab, wie man es im Empirie-Seminar im Grundstudium beigebracht bekommen hat. Man stellt sich häufig eine lineare Entwicklung vor, die mit einer Fragestellung beginnt. Dann kommen nacheinander die Operationalisierung der Fragestellung, die Auswahl des Untersuchungsgegenstandes, die Datenerhebung und -aufbereitung, die Datenanalyse und dann die abschließende Interpretation und Darstellung der Ergebnisse. Für einen deduktiv vorgehenden Forscher ist dieses Prinzip auch recht einfach einzuhalten. Manchmal beneide ich die "Quantis" sehr darum. Da wir jedoch anders herum vorgehen (aus der Dateninterpretation erst die Theorie generierend) schlagen wir uns mit einem Hin und Her herum, das Forschen und Schreiben eng miteinander verbindet (rin in die Daten, raus aus den Daten). Gestern war mein Projekt an der Reihe, in einer größeren Runde Datenmaterial vorzustellen und zur gemeinsamen Interpretation bereit zu stellen. Heute versuche ich, all die Anmerkungen und Ideen, die ich mir gestern notiert habe, auszuformulieren und daraufhin zu prüfen, ob wir mit ihnen arbeiten können. Während des Schreibens einer größeren Arbeit sammeln sich unglaublich viele solcher kleinen Texte an: Exzerpte, Interpretationen, E-Mails, Ideensammlungen und auch solche Meta-Texte, wie diese hier. Ich finde es nicht einfach, all diese Schnipsel im Blick zu behalten und genau in dem Moment auch auf sie zugreifen zu können, wenn sie in den großen Text eingefügt werden sollen.
14.3.07 13:51


Sichtbar machen

Im letzten Eintrag habe ich beschrieben, wie schwer es mir fällt, all die "kleinen" Textschnippsel, die gut und gern auch mal zwanzig Seiten lang sein können, im Auge zu behalten. Mittlerweile ist mir aufgefallen, dass ein großer Teil des Problems damit zusammenhängt, dass die Texte "unsichtbar" sind. Sie verstecken sich in Ordnern und Unterordnern auf dem Rechner. Ich hatte zwar den vagen Verdacht, dass sie da irgendwo sind, aber so recht präsent waren sie nicht. Die logische Konsequenz daraus war jetzt, ALLES auszudrucken. Das hört sich nach einer immensen Papierverschwendung an, ist aber unumgänglich. Ich habe mir einen guten alten Leitz-Ordner samt Register geschnappt und alle Texte nach geplanten Kapiteln geordnet abgelegt. Das hatte einerseits den Effekt, dass ich endlich mal gesehen habe, dass ich bisher nicht nichts geschafft habe. Das ist eine sehr beruhigende Erkenntnis. Andererseits hat es den Vorteil, dass ich genau sehen kann, für welche Bereiche ich schon viel gearbeitet habe und welche eher noch dürftig bestückt sind. Abgesehen davon vermittelt das Ausdrucken eines vorläufig abgeschlossenen Textes viel mehr das Gefühl, etwas hergestellt zu haben als einfach nur eine Datei zu speichern und zu schließen.
21.3.07 22:02





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