Sheenas Schreibtagebuch

 

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18.12.07 15:26


Das kommt davon

In der Jugend habe ich im Grunde nichts anderes getan als Romane zu lesen. Ich glaube, das ist der Grund dafür, dass ich mir bei allem denke: Wie das wohl ausgehen wird? Aus diesem Grunde war es für mich immer schon etwas seltsam, Biographien zu lesen, denn die enden fast grundsätzlich mit dem Tod des Helden. Die allgemeingültigste Antwort ist deshalb: Am Ende stirbt man. Viele Geschichten hören aber nicht mit dem Tod des Helden auf, sondern an einer anderen Stelle. Grundsätzlich könnte man immer bis zum Tod des Helden erzählen, worauf man konsequenterweise beim Erzählen von Märchen hinweist: Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.
Viele Romane enden an einem Punkt, an dem eine Geschichte, eine Episode im Leben eines Menschen oder zwischen mehreren Personen abgeschlossen ist. Diese eine Geschichte sollte erzählt werden, irgendwann ist alles gesagt, was für diese Geschichte wichtig ist, dann ist Schluss. Von diesem Ende aus kann man als Leser zurückblicken, rekonstruieren, wie es dazu gekommen ist, die Handlung kritisieren, Alternativen formulieren, die Zusammenhänge und Wendungen versuchen zu verstehen und das Buch zuschlagen, um ein anderes zur Hand zu nehmen. Wenn man sich als Leser des eigenen Lebens versteht, weil man nur durch Romane das Leben kennengelernt hat, versucht man immer wieder, derartige Schlusspunkte zu finden und noch schlimmer: man lässt sich vielleicht dazu verleiten, auf diesen Schluss hinzuleben und manchmal versucht man auch, etwas zu überblättern, das auf den ersten Blick langatmig erscheint, wie eine Landschaftsbeschreibung.
Es ist durchaus möglich, eine Zeitspanne zu überblättern. Die Versuche, den Schluss vorweg zu lesen, sind jedoch fast immer peinlich. Aber manchmal ist man ja albern genug.
Ich hätte nie Literaturwissenschaft studieren dürfen, denn ich habe immer viel zu sehr auf den Ausgang der Geschichte gedrängt, so dass ich die Struktur der Erzählung nur mit Mühe rekonstruieren konnte. Wenn eine Geschichte zu Ende ist, bleibt der zuletzt beschriebene Zustand für immer: 'Und sie lebten glücklich bis an ihr Ende' betont das, es ist jedoch bei jeder Geschichte so. Genauso hoffe ich bei Zuständen, die ich erreicht, erkämpft, oder auch nur durch abwarten erhalten habe, dass es nun für immer so bleiben wird. Natürlich weiß jeder, dass nichts so bleibt. Wenn endlich Sommer ist, hoffe ich trotzdem insgeheim, dass es nun nie wieder Winter wird.
18.12.07 11:04


Die Rezension

Wer bin ich, dass ich es mir herausnehmen soll, über das zu urteilen, was andere geschrieben haben? Selbst fühle ich mich im wissenschaftlichen Betrieb immer noch als Anfängerin, was das Publizieren angeht. Trotzdem kommt natürlich jetzt das auf mich zu, worum niemand so richtig herumkommt: die Buchbesprechung. Da hat sich einer Jahre lang hingesetzt und all das durchgemacht, was ich grade auch durchmache. Vielleicht hat er sich nachts seine Zähne kaputt geknirscht, vielleicht ist er Alkoholiker geworden, vielleicht hat ihn seine Frau verlassen. Immerhin konnte ich durch Internet-Recherchen herausfinden, dass er das Ganze überlebt hat und offensichtlich auch beruflich sehr erfolgreich ist. Jedenfalls kommt jetzt ausgerechnet mir die Aufgabe zu, dieses sicherlich nicht mit Tinte, sondern mit Herzblut verfasste Buch vorstellen und bewerten zu sollen. Und was mache ich draus? Genau das, was mir in meiner Zeit als Redaktionschefin einer Besprechungszeitschrift so die Freude am Job genommen hat. Ich schreibe einen ganz braven Text, der sich nach allen Seiten absichert und in Erfurcht vor dem Fleiß des Autors erstarrt. Jämmerlich!
16.10.07 15:55


Wie rum denn nun?

Zur Zeit schreiben mein Kollege und ich zusammen einen Aufsatz. Die Absätze, die uns beide angehen, haben wir untereinander aufgeteilt. Zusätzlich hat jeder sein eigenes Thema. Nun stehen wir beide vor dem gleichen Problem: Soll man die Ergebnisse aus dem Material entwickeln oder am Material zeigen, zu welchen Ergebnissen man gekommen ist. Das hört sich zwar sehr ähnlich an, ist es aber nicht. Wenn man die Ergebnisse aus dem Material entwickelt, braucht man sehr, sehr viel Platz und muss sich vorwerfen lassen, dass man doch von einzelnen Beispielen nicht auf das gesamte Material schließen kann. Wenn man die Ergebnisse an einzelnen Beispielen aufzeigt, braucht man deutlich weniger Platz und muss sich vorwerfen lassen, dass man gar nicht richtig empirisch gearbeitet hat. So weit, so zwickmühlenartig. Zusätzlich kommt das Problem dazu, dass unser Material aus Videodaten besteht. Ausschnitte aus denen würden wir natürlich gern dem Leser/der Leserin zugänglich machen. In einen Bericht könnte man eine DVD einheften. Bei einem Aufsatz für eine Zeitschrift geht das aber nicht. So schneiden wir also einzelne Bilder aus den Videodaten aus, damit die geneigte Rezipientin wenigstens ein bisschen was zu kucken hat. ABER: Wir haben ja keine Einzel-Bilder interpretiert, sondern Videos. Wie bringt man die Bewegungen, um die es geht, aufs Papier? Eine komplett ungelöste Fragestellung der Video-Analyse.
6.7.07 14:38


Sichtbar machen

Im letzten Eintrag habe ich beschrieben, wie schwer es mir fällt, all die "kleinen" Textschnippsel, die gut und gern auch mal zwanzig Seiten lang sein können, im Auge zu behalten. Mittlerweile ist mir aufgefallen, dass ein großer Teil des Problems damit zusammenhängt, dass die Texte "unsichtbar" sind. Sie verstecken sich in Ordnern und Unterordnern auf dem Rechner. Ich hatte zwar den vagen Verdacht, dass sie da irgendwo sind, aber so recht präsent waren sie nicht. Die logische Konsequenz daraus war jetzt, ALLES auszudrucken. Das hört sich nach einer immensen Papierverschwendung an, ist aber unumgänglich. Ich habe mir einen guten alten Leitz-Ordner samt Register geschnappt und alle Texte nach geplanten Kapiteln geordnet abgelegt. Das hatte einerseits den Effekt, dass ich endlich mal gesehen habe, dass ich bisher nicht nichts geschafft habe. Das ist eine sehr beruhigende Erkenntnis. Andererseits hat es den Vorteil, dass ich genau sehen kann, für welche Bereiche ich schon viel gearbeitet habe und welche eher noch dürftig bestückt sind. Abgesehen davon vermittelt das Ausdrucken eines vorläufig abgeschlossenen Textes viel mehr das Gefühl, etwas hergestellt zu haben als einfach nur eine Datei zu speichern und zu schließen.
21.3.07 22:02


Auch das ist Schreiben

Das Präsentieren von Datenmaterial in der Arbeitsgruppe und das gemeinsame Interpretieren von Daten gehört zwar nicht unmittelbar zum Schreibprozess, aber es gehört zu dem großen Bereich von Dingen, die gemacht werden müssen, bevor man etwas hinschreiben kann. Allerdings läuft ein Forschungs- und Schreibprozess nie so ordentlich nacheinander ab, wie man es im Empirie-Seminar im Grundstudium beigebracht bekommen hat. Man stellt sich häufig eine lineare Entwicklung vor, die mit einer Fragestellung beginnt. Dann kommen nacheinander die Operationalisierung der Fragestellung, die Auswahl des Untersuchungsgegenstandes, die Datenerhebung und -aufbereitung, die Datenanalyse und dann die abschließende Interpretation und Darstellung der Ergebnisse. Für einen deduktiv vorgehenden Forscher ist dieses Prinzip auch recht einfach einzuhalten. Manchmal beneide ich die "Quantis" sehr darum. Da wir jedoch anders herum vorgehen (aus der Dateninterpretation erst die Theorie generierend) schlagen wir uns mit einem Hin und Her herum, das Forschen und Schreiben eng miteinander verbindet (rin in die Daten, raus aus den Daten). Gestern war mein Projekt an der Reihe, in einer größeren Runde Datenmaterial vorzustellen und zur gemeinsamen Interpretation bereit zu stellen. Heute versuche ich, all die Anmerkungen und Ideen, die ich mir gestern notiert habe, auszuformulieren und daraufhin zu prüfen, ob wir mit ihnen arbeiten können. Während des Schreibens einer größeren Arbeit sammeln sich unglaublich viele solcher kleinen Texte an: Exzerpte, Interpretationen, E-Mails, Ideensammlungen und auch solche Meta-Texte, wie diese hier. Ich finde es nicht einfach, all diese Schnipsel im Blick zu behalten und genau in dem Moment auch auf sie zugreifen zu können, wenn sie in den großen Text eingefügt werden sollen.
14.3.07 13:51


Schreiben und der Rest des Lebens

Eigentlich schwebte mir ein blog vor, der eben grade keinen seelischen Exhibitionismus vorführt, sondern sich auf ein Thema konzentriert, das man halbwegs emotionslos abhandeln kann: nämlich Schreiben. So einfach ist das aber nicht. Die Gesamtverfasstheit wirkt sich stärker auf die Schreiblustigkeit aus als gedacht. Deswegen besteht die Gefahr, dass das Schreibtagebuch zu einem Rechtfertigungstagebuch für Nichtschreiben wird.
11.3.07 23:25


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